Alleenfonds stärkt Neu- und Nachanpflanzungen in Mecklenburg-Vorpommern
Umweltministerium und BUND M-V wollen Baumartenvielfalt sowie Lückenbepflanzungen an Kreis- und Gemeindestraßen erhöhen; der Alleenfonds unterstützt seit 1994 und die Ausgaben sind 2025 gestiegen.
Das Umweltministerium Mecklenburg-Vorpommern und der BUND M-V wollen die Baumartenvielfalt sowie die Zahl der Lückenbepflanzungen in Alleen und einseitigen Baumreihen an Kreis- und Gemeindestraßen erhöhen. Anlass ist nach Angaben des Ministeriums die besondere Verantwortung des Landes für seinen Alleenbestand: Mecklenburg-Vorpommern ist innerhalb Deutschlands nach Brandenburg weiterhin das alleenreichste Bundesland. Außerhalb geschlossener Ortschaften gibt es demnach mindestens 4.374 Kilometer gesetzlich geschützte Alleen und einseitige Baumreihen an Straßen und ländlichen Wegen.
Hohe Bedeutung des Alleenfonds
Der Schutz und die Pflege dieser Bestände sind in Mecklenburg-Vorpommern bereits seit 1992 gesetzlich und per Erlass geregelt. Artikel 12 der Landesverfassung und Paragraf 19 des Naturschutzausführungsgesetzes verpflichten unter anderem zu Neu- und Nachanpflanzungen. Seit 1994 wird die Umsetzung zusätzlich mit Hilfe des „Alleenfonds“ unterstützt.
Nach Angaben des Ministeriums werden die meisten mit Mitteln des „Alleenfonds“ finanzierten Projekte an kommunalen Straßen, vor allem an Gemeindestraßen, sowie an ländlichen Wegen umgesetzt, teilweise auch auf privaten Flächen. Die Vorhaben werden durch die Oberste Naturschutzbehörde geleitet.
Die Ausgaben aus dem Fonds sind demnach deutlich gestiegen: Während 2024 rund 153.000 Euro ausgegeben wurden, liegt der Ausgabewert für 2025 bei etwa 376.000 Euro. Im Jahr 2025 wurden mit diesen Mitteln insgesamt 1.109 Alleebäume baumerhaltend gepflegt und 229 Alleebäume gepflanzt. Die Pflanzungen erfolgten vor allem als Lückenbepflanzungen auf Flächen der Städte Putbus und Dassow.
Beispiele aus Ummanz, Parchtitz und Dassow
Minister Dr. Till Backhaus hob das Engagement vieler Gemeinden für den Erhalt der Alleen hervor. Als landesweit vorbildlich nannte er insbesondere die Gemeinden Ummanz und Parchtitz auf Rügen.
In der Gemeinde Ummanz wird nach Ministeriumsangaben seit 2013 auf rund 32 Kilometern Gemeindestraßen zum Schutz der Straßenbäume auf Streusalz verzichtet. In der Gemeinde Parchtitz wird seit 2009 auf Gut Boldevitz abschnittsweise die erste Speierlings-Allee aufgebaut.
Ein weiteres Beispiel ist die Stadt Dassow. Dort wurden im Dezember 2025 auf Initiative der Stadt sowie engagierter Bürgerinnen und Bürger aus Pötenitz 78 Nachpflanzungen mit drei Baumarten in den Lücken einer etwa 100 bis 120 Jahre alten Eichen-Allee vorgenommen. Die Allee liegt an einem touristisch stark genutzten Spurweg. Nach Angaben des Ministeriums bestehen dort keine Ausbauabsichten; außerdem wird im Winter zum Schutz der Allee auf Streusalz verzichtet. Zugleich grenzt der Bereich an großräumige landwirtschaftliche Nutzflächen.
Am 31. Juli 2026 informierte sich Landwirtschaftsminister Dr. Till Backhaus vor Ort über den Zustand der Allee und über die mit angrenzenden Landwirten erzielten Kompromisse. Vor dem Hintergrund des Klimawandels, neuer Baumkrankheiten sowie Massenvermehrungen von Baumschädlingen sprach er sich dafür aus, die Baumartenvielfalt in den Alleen zu erhöhen.
Baumartenliste mit mehr als 100 Arten und Sorten
In diesem Zusammenhang hat die Oberste Naturschutzbehörde seit 2022 eine detaillierte landesspezifische Baumartenliste erarbeitet. Sie umfasst derzeit etwas mehr als 100 Baumarten und Baumsorten, darunter 22 einheimische Baumarten. Definierte Standortparameter sollen es ermöglichen, für den jeweiligen Standort geeignete Arten aus dieser Liste auszuwählen. Nach Angaben des Ministeriums sind alle in der Liste aufgeführten Baumarten für Straßenseitenräume geeignet.
Eigentümer, die Neu- oder Nachanpflanzungen einer Allee in einem Straßenseitenraum an einer Kreis- oder Gemeindestraße planen, können demnach entsprechende Baumarten mit Mitteln des „Alleenfonds“ fördern lassen, sofern es sich nicht um Ersatzpflanzungen handelt. Geplant ist, die Liste im Oktober als gemeinsame Empfehlung mit der für Bundes- und Landesstraßen zuständigen Obersten Straßenbauverwaltung zu veröffentlichen.
Gesetzlicher Rahmen und Kritik des BUND M-V
Das Naturschutzgesetz Mecklenburg-Vorpommern verankert nicht nur den gesetzlichen Schutz der Alleen. Es bestimmt auch, dass die zuständige Behörde rechtzeitig und in ausreichendem Umfang Neuanpflanzungen vorzunehmen hat, um den Alleenbestand nachhaltig zu sichern. Ergänzend dazu regelt der „Baumschutzkompensationserlass“ vom 15. Oktober 2007 die Kompensation von Baumfällungen sowie von Beschädigungen an Baumkronen und -wurzeln. Das betrifft laut Ministerium Einzelbäume, Baumgruppen, Baumreihen, Alleen und einseitige Baumreihen, soweit sie sich nicht an Bundes- und Landesstraßen befinden.
Trotz dieser Regelungen sieht der BUND M-V Defizite. Katharina Dujesiefken, Referentin für Baum- und Alleenschutz beim BUND Landesverband, wies Minister Backhaus am 31. Juli 2026 darauf hin, dass alle Landkreise bei der Kompensation gefällter Straßenbäume große Defizite hätten. Seit 2011 führt der BUND M-V nach eigenen Angaben eine Statistik über Pflanzungen und Fällungen in den sechs Landkreisen. Grundlage seien Angaben der Landkreise. Das Defizit an Pflanzungen zum Erhalt der Alleenlandschaft an Kreis- und Gemeindestraßen sei seitdem auf mehr als 7.800 Bäume gestiegen. In den vergangenen fünf Jahren habe sich diese Entwicklung weiter verschärft.
Mit Blick auf Baumkontrollen an Kreisstraßen sprach sich Dujesiefken dafür aus, dass jeder Landkreis eigenes und geschultes Personal für die Baumkontrolle aufbaut. Dies sei für eine gute Baumpflege entscheidend, weil eigenes Personal die Alleen besser kenne als Firmen, die häufig nur ein- oder zweimal in einer Allee tätig seien. Nach ihrer Einschätzung würde die Baumpflege dadurch baumschonender, effizienter und zugleich kostensparender erfolgen.
Ministerium will Unterstützung fortsetzen
Minister Backhaus bezeichnete die Alleen als prägendes und ökologisch wertvolles Element der Landschaft in Mecklenburg-Vorpommern. Deren Erhalt werde weiterhin unterstützt. Zugleich dankte er den zahlreichen Gemeinden für ihr Engagement beim Alleenschutz.
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