LAKD und Vrak-Museum stellen Schiffswracks in Schwerin vor
Fregatte *Postillion* und bewaffnetes Handelsschiff *Cecilie* wurden in einem gemeinsamen Tauchprojekt untersucht; geborgene Ausrüstungsgegenstände werden wissenschaftlich ausgewertet
Wissenschaftler des Landesamtes für Kultur und Denkmalpflege Mecklenburg-Vorpommern und des schwedischen Vrak-Museums aus Stockholm haben am Donnerstag in Schwerin Funde von zwei schwedischen Schiffswracks in der Ostsee vorgestellt. Die beiden Schiffe waren im Dezember 1715 zwischen Rügen und Usedom gesunken und erst vor wenigen Jahren entdeckt worden.
Nach Angaben des Ministeriums arbeiteten Fachleute aus Mecklenburg-Vorpommern und Schweden unter Federführung des LAKD MV in einem gemeinsamen Tauchprojekt zusammen. Beteiligt waren zudem Kolleginnen und Kollegen der Universität Rostock, des Stavanger Maritime Museum aus Norwegen und der Universität Warschau. Dabei wurden Ausrüstungsgegenstände geborgen, die nun im LAKD wissenschaftlich ausgewertet werden.
Zwei Wracks mit Bezug zur Landesgeschichte
Bei den Schiffen handelt es sich um die Fregatte Postillion und das bewaffnete Handelsschiff Cecilie. Beide wurden bei Bauarbeiten zufällig entdeckt. Das Wrack der Postillion wurde 2016 gefunden, die Cecilie bereits 2010. Erst in den vergangenen Jahren wurden beide Fundstellen genauer untersucht, nachdem festgestellt worden war, dass sie durch Erosion gefährdet sind.
Die Identifizierung der Wracks erfolgte im Dezember 2025. Sie bildete die Grundlage für die gemeinschaftlichen Arbeiten im Juni. Bereits in den Jahren 2024 und 2025 hatte es neben dem jährlichen Monitoring kleinere archäologische Projekte in Zusammenarbeit mit den Universitäten Rostock und Leiden in den Niederlanden gegeben. Dabei wurde die Schiffskonstruktion dokumentiert, und einzelne stark gefährdete Objekte wurden geborgen.
Zu den gehobenen Fundstücken zählen zahlreiche Ausrüstungsgegenstände, darunter ein rund 400 Kilogramm schweres Kanonenrohr aus Bronze. Diese Funde wurden zur weiteren wissenschaftlichen Untersuchung durch das LAKD gesichert.
Wracks sollen am Meeresboden erhalten bleiben
Die Wracks werden nach Angaben des Ministeriums auch künftig in der Ostsee verbleiben. Eine Bergung würde demnach immer eine teilweise Zerstörung des Fundplatzes nach sich ziehen. Beide Wracks sollen deshalb am Seegrund erhalten werden.
Geplant ist eine weitere archäologische und historische Erforschung gemeinsam mit den schwedischen Kollegen des Vrak-Museums. Ziel ist es, ein genaueres Bild der in Vorpommern stationierten schwedischen Marineeinheiten und ihrer Schiffe zu gewinnen.
Untergang im Winter 1715
Die Postillion und die Cecilie gingen im Dezember 1715 im schwierigen Fahrwasser um die Insel Rügen durch Treibeis verloren. Nach Einschätzung der Wissenschaftler sanken die Schiffe offenbar schnell, da Ausrüstung und Inventar an Bord blieben. Eine Bergung unterblieb wegen des harten Winters und des 1715 intensivierten Kriegsgeschehens in Schwedisch-Vorpommern. Danach gerieten die Wracks bis zu ihrer Wiederentdeckung in Vergessenheit.
Beide Fundstellen stehen in direktem Zusammenhang mit dem Großen Nordischen Krieg von 1700 bis 1721 und haben einen unmittelbaren Bezug zur Landesgeschichte Mecklenburg-Vorpommerns und Schwedens. Nach Angaben des Ministeriums liefern die Wracks Einblicke in Schiffbautechnik und Ressourcenmanagement in der schwedischen Marine des 18. Jahrhunderts. Wegen des außergewöhnlich guten Erhaltungszustands der Funde ermöglichen sie zudem Erkenntnisse über das Leben der Seeleute an Bord.
Ministerin verweist auf internationale Zusammenarbeit
Wissenschaftsministerin Bettina Martin würdigte bei der Präsentation die Arbeit des LAKD und die Zusammenarbeit mit den schwedischen Partnern. Zugleich machte sie deutlich, dass Deutschland aus ihrer Sicht die UNESCO-Konvention zum Schutz des Unterwasser-Kulturerbes ratifizieren sollte. Sie begründete dies mit rechtlichen Beschränkungen bei internationaler Zusammenarbeit, insbesondere außerhalb der eigenen Hoheitsgewässer.
Auch die Direktorin des LAKD, Dr. Ramona Dornbusch, hob die besondere Verantwortung Mecklenburg-Vorpommerns als Küstenland für das kulturelle Erbe unter Wasser hervor. Nach ihren Angaben ist Mecklenburg-Vorpommern das einzige Bundesland mit einem hauptamtlichen Unterwasserarchäologen. Die im LAKD verankerte Unterwasserarchäologie ermögliche es, Fundplätze fachgerecht zu untersuchen, ihren Zustand langfristig zu beobachten und frühzeitig auf Gefährdungen zu reagieren.
Weiterführende Modelle
Das Ministerium verweist auf zwei weiterführende Online-Modelle:
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