Seehäfen, Tourismus und Investitionen: Gespräch in Rostock

Mecklenburg-Vorpommern fordert mit den Küstenländern eine stärkere Bundesbeteiligung an der Finanzierung der Hafeninfrastruktur.

Von Landesredaktion MV

Wirtschaftsminister Dr. Wolfgang Blank hat sich im Rostocker Hafen mit dem Koordinator der Bundesregierung für Maritime Wirtschaft und Tourismus, Dr. Christoph Ploß, über die maritime Wirtschaft, die Zukunft der deutschen Seehäfen und die Entwicklung des Tourismus in Mecklenburg-Vorpommern ausgetauscht.

Forderung nach stärkerer Beteiligung des Bundes an den Seehäfen

Ein zentrales Thema des Treffens war die Finanzierung der deutschen Seehäfen. Mecklenburg-Vorpommern setzt sich den Angaben zufolge gemeinsam mit den anderen Küstenländern für eine strukturelle Reform der Seehafenfinanzierung und für eine deutlich stärkere Beteiligung des Bundes an Investitionen in die öffentliche Hafeninfrastruktur ein.

Hintergrund ist, dass die Anforderungen an die Häfen in den vergangenen Jahren unter anderem durch den Ausbau der erneuerbaren Energien und die veränderte sicherheitspolitische Lage deutlich gestiegen sind. Die Finanzierung des Bundes habe mit dieser Entwicklung nicht Schritt gehalten. Für die fünf Küstenländer zusammen stellt der Bund derzeit jährlich rund 38 Millionen Euro für die öffentliche Seehafeninfrastruktur zur Verfügung. Diese Summe ist seit mehr als 20 Jahren nahezu unverändert.

Blank betonte, die Häfen seien eine gemeinsame nationale Aufgabe. Sie sicherten Lieferketten, stärkten den Wirtschaftsstandort Deutschland, ermöglichten den Ausbau der Offshore-Windenergie und seien ein wichtiger Baustein der deutschen und europäischen Sicherheitsarchitektur. Daraus leitet das Land die Erwartung ab, dass der Bund sich dauerhaft verlässlich und deutlich stärker an den Investitionen in die öffentliche Seehafeninfrastruktur beteiligt.

Investitionen in Rostock und Bedeutung des Liegeplatzes 5

Nach Angaben des Wirtschaftsministeriums investiert Mecklenburg-Vorpommern bereits in seine Hafenstandorte. Seit 2021 seien über die Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur“ (GRW) rund 146 Millionen Euro in die Hafeninfrastruktur in Rostock geflossen.

Diese Investitionen zeigten Wirkung: Mit 15,9 Millionen Tonnen Güterumschlag habe der Hafen Rostock im ersten Halbjahr 2026 erneut einen Spitzenwert erreicht. In Zeiten geopolitischer Spannungen seien eigene Bezugswege für die Energieversorgung Deutschlands von zentraler Bedeutung.

Besondere Bedeutung misst das Land dem Ausbau des Liegeplatzes 5 im Rostocker Seehafen bei. Dem Hafen Rostock sei im Zukunftspaket des Bundes zur Transformation der ostdeutschen Raffineriestandorte und Häfen aus dem Jahr 2022 eine strategische Rolle für den Import von Rohöl für die PCK-Raffinerie in Schwedt sowie perspektivisch für grüne Energieträger wie Wasserstoff und Ammoniak zugesprochen worden. Das Zukunftspaket enthalte die Zusage des Bundes, die Kosten für die erforderlichen Investitionen in den Ausbau des Liegeplatzes 5 von bis zu 50 Millionen Euro zu übernehmen.

Aus Sicht des Landes ist der Bund nun aufgefordert, die notwendigen Mittel bereitzustellen, damit die Umsetzung des neuen Tiefwasserliegeplatzes für Flüssiggüter nicht gefährdet wird.

Maritime Wirtschaft als Kernbranche im Land

Die maritime Wirtschaft zählt laut Ministerium zu den industriellen Kernkompetenzen Mecklenburg-Vorpommerns. Verwiesen wird auf Werften, Häfen, Zulieferer und Unternehmen der Offshore-Windenergie. Als aktuelle Beispiele für die Entwicklung der Branche nannte Blank den Großauftrag für den Bau von Konverterplattformen in Rostock sowie das Wachstum von TKMS in Wismar.

Ziel sei es, die Wettbewerbsfähigkeit Mecklenburg-Vorpommerns als maritimer Industriestandort weiter zu stärken.

Tourismus startet mit Zuwächsen ins Jahr 2026

Ein weiterer Schwerpunkt des Austauschs war der Tourismus. Mecklenburg-Vorpommern ist nach Angaben des Ministeriums gut in das Tourismusjahr 2026 gestartet. Im ersten Quartal wurden demnach rund 1,12 Millionen Gästeankünfte und 3,96 Millionen Übernachtungen registriert. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum entspricht das einem Plus von 6,1 Prozent bei den Gästeankünften und 4 Prozent bei den Übernachtungen.

Blank wertete die Entwicklung als Zeichen dafür, dass Mecklenburg-Vorpommern seine Position als eines der beliebtesten Reiseziele Deutschlands weiter ausbaut.

Nationale Tourismusstrategie im Blick

Der Minister begrüßte zudem, dass die Nationale Tourismusstrategie des Bundes der Wettbewerbsfähigkeit und der wirtschaftlichen Bedeutung der Branche Rechnung trage. Zugleich verwies er darauf, dass einzelne Maßnahmen unter Finanzierungsvorbehalt stünden. Aus Sicht des Landes dürfe die Umsetzung zentraler Ziele wie der Ausbau der Infrastruktur, mehr Mobilität oder mehr Barrierefreiheit am Ende nicht bei Ländern und Kommunen hängen bleiben.

Die Nationale Tourismusstrategie wurde im Januar 2026 vom Bundeskabinett beschlossen. Sie ist nach Angaben des Ministeriums das strategische Dachkonzept zur Modernisierung und nachhaltigen Stärkung des Tourismusstandorts Deutschland. Zu den verknüpften Kernzielen zählen unter anderem Bürokratieabbau für mittelständische Betriebe, digitale Visaverfahren und gezielte Infrastrukturinvestitionen.

Zwei tragende Wirtschaftssäulen

Maritime Wirtschaft und Tourismus bezeichnet das Ministerium als zwei starke Säulen der Wirtschaft in Mecklenburg-Vorpommern. Beide Branchen schafften Beschäftigung, sicherten Wertschöpfung und stärkten den Standort nachhaltig. Deshalb setze das Land auf Investitionen in moderne Infrastruktur und gute Rahmenbedingungen.

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