Belvedere am Tollensesee wieder erlebbar nach umfangreicher Sanierung
Rund 2,3 Millionen Euro für Instandsetzung von Bauwerk und Außenanlagen ohne Fördermittel

Belvedere am Tollensesee nach Sanierung wieder vollständig erlebbar
Nach umfangreicher Sanierung ist das Belvedere am Tollensesee in Neubrandenburg wieder vollständig erlebbar. Seit Ende 2023 wurde das denkmalgeschützte Bauwerk nicht nur äußerlich instand gesetzt, sondern auch in seinem Inneren sowie an den Außenanlagen umfassend bearbeitet. Dazu gehörten Arbeiten an Fundament und Mauerwerk, Fassaden, Dachkonstruktion, Innenraum, Treppen, Wegen, Platzflächen und dem unmittelbaren Umfeld.
Die Vier-Tore-Stadt Neubrandenburg hat nach eigenen Angaben rund 2,3 Millionen Euro in Planungen, Gutachten und Bauleistungen investiert. Fördermittel standen dafür nicht zur Verfügung.
Sanierung in drei Bauabschnitten
Bereits 2022 und 2023 wurden der Zustand des Belvederes und der angrenzenden Freianlagen grundlegend untersucht und erste restauratorische Gutachten erstellt. Dabei wurden erhebliche Feuchteschäden in Dach und Wänden festgestellt, die schnelles Handeln erforderlich machten.
Parallel stimmten sich der Eigenbetrieb Immobilienmanagement der Vier-Tore-Stadt, die beauftragten Architekten und Restauratoren eng mit dem Landesamt für Kultur und Denkmalpflege Mecklenburg-Vorpommern und der Unteren Denkmalschutzbehörde ab. Ende Dezember 2023 begann die eigentliche Sanierung mit dem Stellen des Baugerüsts. Ein zeitweise vollständig geschlossenes und überdachtes Gerüst ermöglichte witterungsunabhängige Arbeiten.
Die Arbeiten wurden in drei Bauabschnitte gegliedert. Zunächst standen Dach und Dachkonstruktion im Mittelpunkt. Danach folgten unter anderem Gesimse, Profilierungen und Verzierungen sowie Innen- und Außenputz und die historische Farbgebung. Im letzten Bauabschnitt wurden 2025 Sockel und Treppenstufen instand gesetzt sowie die Freianlagen einschließlich Treppenanlagen und Natursteinstützmauern saniert und rekonstruiert.
Arbeiten an Gebäude und Innenraum
Am Fundament und Sockel wurden Teile des tragenden Feldsteinmauerwerks repariert, der historische Verputz rekonstruiert und die Eingangsstufen neu fundamentiert. Am aufgehenden Mauerwerk waren unter anderem der Austausch einzelner Ziegel und die Sanierung von Rissen notwendig.
Große Bereiche der Fassade erhielten neuen Putz aus hydraulischem Kalk. Auch die heutige Farbgebung und die Gliederung der Fassade orientieren sich an restauratorischen Befunden und historischen Bildquellen.
Am Dach wurde die Dachhaut aus Holzschalung und Zinkblech erneuert. Teile der tragenden Balken mussten ausgetauscht werden. Das hölzerne Traufgesims und die verputzten Giebeldreiecke wurden anhand historischer Bildquellen rekonstruiert, außerdem wurden zahlreiche historische Details neu angefertigt.
Im Inneren wurden die Stuckdecke repariert und neu gefasst, der Fußboden gereinigt und punktuell ausgebessert sowie neue Sockelleisten angefertigt.
Auch das Umfeld wurde neu gestaltet
Die Sanierung umfasste auch die Außenanlagen. Diese wurden in enger Abstimmung mit dem Landesamt für Kultur und Denkmalpflege Mecklenburg-Vorpommern auf Grundlage historischer Unterlagen neu gestaltet.
Wege und Platzflächen erhielten eine wassergebundene Decke und wurden so angelegt, dass Oberflächenwasser künftig besser vom Gebäude weggeführt wird. Historische Gestaltungselemente wurden wieder aufgegriffen, darunter Lesesteinpflaster auf den Treppenpodesten und rund um das Gebäude.
Auf der Waldseite entstand ein Rasenparterre, der Eingangsbereich wurde platzartig erweitert. Zusätzliche Baumpflanzungen, Granit-Sitzblöcke und Fahrradanlehnbügel ergänzen die Anlage. Zugleich wurden zugewachsene Sichtachsen freigestellt, sodass die Lage des Belvederes und der Blick über den Tollensesee und die Stadt wieder stärker zur Geltung kommen.
Die Arbeiten an den Außenanlagen waren wegen der steilen Hanglage technisch und logistisch anspruchsvoll. Für den Transport der Materialien musste eigens eine steile Baustraße angelegt werden.
Verzögerungen und Schutzmaßnahmen
Während der Arbeiten kam es zu Verzögerungen. Neben der winterlichen Unterbrechung mussten erhebliche Vandalismusschäden an den Freitreppen beseitigt werden. Um das Denkmal künftig besser vor Beschädigungen zu schützen, wurde eine Videoüberwachung installiert.
Trauort wieder nutzbar
Mit Abschluss der Sanierung steht das Belvedere wieder als Trauort der Vier-Tore-Stadt Neubrandenburg zur Verfügung. Die erste Eheschließung fand bereits am 5. September statt. Für 2026 sind bereits zwei weitere Trauungen vorgesehen, für 2027 liegen derzeit sieben Reservierungen vor.
Das Standesamt rechnet dabei auch mit Interesse über die Region hinaus. Schon vor der Sanierung kamen Brautpaare von außerhalb nach Neubrandenburg, um sich am Tollensesee das Ja-Wort zu geben. Im Rahmen der rechtlichen Möglichkeiten können bei den Trauungen auch individuelle Wünsche wie Live- oder Wunschmusik sowie eine persönlich gestaltete Traurede berücksichtigt werden.
Historischer Rückblick
Die Geschichte des Belvederes reicht weit zurück. Bereits um 1750 befand sich an dieser Stelle ein Vorgängerbau, der später vollständig abgerissen wurde. 1822/23 errichtete Friedrich Wilhelm Buttel hier ein herzogliches Teehaus. Sein heutiges offenes Erscheinungsbild erhielt das Belvedere erst 1934/35, als es nach Plänen des Architekten Heinrich Tessenow zu einem Denkmal für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges umgebaut wurde. Fenster und Türen verschwanden, Freitreppen und Mauern entstanden, der Vorplatz wurde als Aufmarschplatz neu gestaltet.
Den Zweiten Weltkrieg überstand das Gebäude weitgehend unbeschädigt, verfiel jedoch in den folgenden Jahrzehnten zunehmend. Pläne für eine Freilichtbühne Ende der 1970er-Jahre wurden nicht verwirklicht. Um 1990 waren die Öffnungen zugemauert, das Gebäude wurde zeitweise als Lager genutzt. 1995/96 wurde das Belvedere erstmals umfassend saniert und wieder als Ausflugsort gestaltet. Rund drei Jahrzehnte später machten vor allem ein undichtes Dach und Feuchtigkeit im Mauerwerk eine erneute grundlegende Sanierung notwendig, die nun abgeschlossen ist.
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