Schauburg in Schwerin vor dem Einsturz
Vollsperrung der Mecklenburgstraße wegen akuter Gefahr – Denkmalgeschützter Abbruch möglich

Die Schauburg in Schwerin, eines der ältesten Kinos in Mecklenburg-Vorpommern, steht akut vor dem Einsturz. Nach einer aktuellen Einschätzung der Bauaufsicht wurde das denkmalgeschützte Gebäude am 4. September 2025 als unmittelbare Gefahrenquelle eingestuft. Die zuständigen Behörden reagieren umgehend: Eine weiträumige Absperrung des gefährdeten Bereichs wurde eingerichtet.
Vollsperrung der Mecklenburgstraße
Ab Donnerstag, 10 Uhr, wird die Mecklenburgstraße für den Verkehr vollständig gesperrt. Die Maßnahme soll voraussichtlich bis Ende September aufrechterhalten werden. Betroffen ist der Abschnitt ab der Geschwister-Scholl-Straße bis zur Hausnummer 53, der damit zur Sackgasse wird. Während Fußgänger und Radfahrer die Passage weiterhin nutzen dürfen, werden Lieferverkehre umgeleitet. Hinweistafeln in der Graf-Schack-Allee verweisen auf die neue Zufahrt über die Schloßstraße.
Gründe für die Sperrung
Grundlage dieser Maßnahme bildet ein statisches Gutachten, das eine eindeutige Einsturzgefahr der Fassade belegt. Die untere Bauaufsichtsbehörde und die Bauaufsicht der Landeshauptstadt Schwerin bestätigten nach sorgfältiger Prüfung und Ortsbesichtigung die akute Gefahr für Nutzer der Mecklenburgstraße.
Maßnahmen zur Gebäudesicherung
Die Eigentümerin bereitet aktuell mit Hochdruck die Sicherung des historischen Gebäudes vor. Aufgrund der unmittelbaren Gefahrenlage stimmt sogar die Untere Denkmalschutzbehörde einem Abbruch des unter Denkmalschutz stehenden Kinos zu. Diese Einbindung unterstreicht die außergewöhnliche Situation und Dringlichkeit.
Historische Bedeutung der Schauburg
Die Geschichte der Schauburg reicht bis in die frühe Stummfilmzeit zurück. Seit etwa 1909 begannen erste Filmtheater, entweder als Teil von Geschäftshäusern oder als eigenständige Gebäude zu entstehen. Das Schweriner Lichtspielhaus, das 1912 errichtet wurde, zählt zu den ersten speziell für Filmvorführungen gebauten Häusern seiner Art. 1948 übernahm die Stadtverwaltung Schwerin das Haus, das zehn Jahre später, 1958, wesentlich umgebaut wurde – mit der neuen Fassade und einer umfassenden Neugestaltung von Foyer und Zuschauerraum.
Nach der Wende wechselte die Schauburg wieder in Privatbesitz, war kurzzeitig als Schnäppchenmarkt genutzt worden und steht nun seit fast 30 Jahren leer. Das Gebäude und das dazugehörige Grundstück gingen in dieser Zeit mehrfach an neue Eigentümer über. Zahlreiche historische Aufnahmen aus dem Schweriner Stadtarchiv dokumentieren die Veränderungen, insbesondere den Umbau 1958.
Ausblick und Auswirkungen
Mit der Sperrung der Mecklenburgstraße und den geplanten Sicherungsmaßnahmen stehen Anlieger und Lieferdienste vor kurzfristigen Herausforderungen. Die Geschichte und Bedeutung der Schauburg werfen zugleich Fragen zur Zukunft des historischen Baus und zum Umgang mit gefährdetem Kulturerbe auf.
Wie es mit dem traditionsreichen Gebäude weitergeht, hängt von den Ergebnissen der laufenden Sicherungsarbeiten und der weiteren Begutachtung ab. Für die Schweriner Innenstadt markiert der drohende Verlust der Schauburg einen Einschnitt und ein Stück bewegter Kinogeschichte.
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