Wanderausstellung in Schwerin: „Im Gedenken der Kinder“
Die Marienplatz-Galerie zeigt vom 12. August bis 19. September 2026 die Ausstellung zu den Verbrechen an Kindern in der NS-Zeit und der Rolle von Kinderärztinnen und -ärzten.

In der Marienplatz-Galerie Schwerin ist vom 12. August bis 19. September 2026 die Wanderausstellung „Im Gedenken der Kinder – Die Kinderärzte und die Verbrechen an Kindern in der NS-Zeit“ zu sehen. Sie erinnert an Kinder, die während der NS-Zeit im Rahmen der sogenannten „Euthanasie“ in Schwerin und an anderen Orten im Deutschen Reich ermordet wurden, und thematisiert auch die Verstrickung von Kinderärzten in diese Verbrechen.
Die Ausstellung wurde von der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) e.V. auf Grundlage ausgewählter Forschungsergebnisse erarbeitet. Die Fachgesellschaft hat sich nach eigenen Angaben umfassend mit diesem Kapitel der Medizingeschichte auseinandergesetzt.
Erinnerung an ein dunkles Kapitel der Medizingeschichte
Nach Angaben der Veranstalter wurden während der NS-Zeit im gesamten Reichsgebiet schätzungsweise 8.000 Kinder mit unterschiedlichen Erkrankungen in sogenannten Kinderfachabteilungen durch Giftspritzen oder im Rahmen von Menschenversuchen systematisch ermordet. In der Präambel zur Ausstellung ist zudem von mehr als 5.000 Kindern und Jugendlichen die Rede, die allein in solchen eigens für die Tötung geschaffenen Einrichtungen gequält und ermordet wurden.
Die Ausstellung beschreibt die Beteiligung von Kinderärzten an Menschenversuchen und Tötungsverbrechen an kranken Kindern als das dunkelste Kapitel der Kinder- und Jugendmedizin und ihrer Fachgesellschaft. Sie macht deutlich, dass die Verbrechen Teil eines diktatorischen, von Menschenverachtung geprägten Systems waren.
Prof. Dr. Michael Radke, ehemaliger Direktor der Universitäts-Kinder- und Jugendklinik Rostock und Mitorganisator der Ausstellung, wird in der Mitteilung mit den Worten zitiert: „Wir Kinderärztinnen und Kinderärzten halten es für unsere Pflicht, den ermordeten Kindern ein Gesicht und eine Stimme zu geben. In einer Zeit zunehmender radikaler Ansichten und Auswüchse und mit Blick auf die von extremen Kräften propagierte Ausgrenzung bestimmter Personengruppen - darunter auch Kinder - ist das in unserem Land wichtiger denn je“.
Eröffnung am 12. August
Die Ausstellung wird am Mittwoch, 12. August 2026, um 18 Uhr eröffnet. Zur Eröffnung wird auch Oberbürgermeister Sebastian Ehlers erwartet. Die Moderation übernimmt Anja Baum vom AMEOS Klinikum Ueckermünde.
Zum Programm gehören eine Einführung durch Prof. Dr. Michael Radke, Grußworte sowie ein Vortrag von Dr. Kathleen Haack von der Universitätsmedizin Rostock unter dem Titel „Kindermorde in Mecklenburg und Pommern 1939–1945“.
Ein zentraler Teil der Eröffnungsveranstaltung ist das Verlesen von Auszügen aus historischen Krankenakten ermordeter Kinder. Diese Texte werden von Medizinstudierenden der Universitätsmedizin Rostock sowie von Ärztinnen und Ärzten vorgetragen.
Geplante Grußworte zur Eröffnung
- Sebastian Ehlers, Oberbürgermeister der Landeshauptstadt Schwerin
- Katy Hoffmeister, Vorsitzende des Sozialausschusses des Landtags Mecklenburg-Vorpommern
- Florian Gradnitzer, Leiter des Dokumentationszentrums für die Opfer der Diktaturen in Deutschland in Schwerin
Podiumsdiskussion im September
Begleitend zur Ausstellung ist für Mittwoch, 9. September 2026, von 18 bis 19.30 Uhr eine Podiumsdiskussion in der Marienplatz-Galerie geplant. Die Moderation übernimmt Jochen Schmidt, Direktor der Landeszentrale für politische Bildung Mecklenburg-Vorpommern.
Nach einer Einführung durch Prof. Dr. Michael Radke sind kurze Statements der Teilnehmenden und eine anschließende Diskussion vorgesehen. Mitwirkende sind Prof. Dr. Thomas Beddies von der Charité Berlin, Prof. Dr. Andreas Broocks von der Carl-Friedrich-Flemming-Klinik Helios Kliniken Schwerin, Dr. Kathleen Haack sowie Prof. Dr. Ekkehardt Kumbier von der Universitätsmedizin Rostock.
Ort, Zeiten und Zugang
Die Ausstellung ist in der Marienplatz-Galerie Schwerin, Marienplatz 11–12, zu sehen. Geöffnet ist sie von Montag bis Samstag jeweils von 10 bis 19 Uhr. Der Eintritt ist frei, die Ausstellung ist barrierefrei.
Weitere Bilder



Eigene Anzeige
Hier könnten Ihre Neuigkeiten stehen
Erreichen Sie Menschen in dieser Region – transparent als Anzeige gekennzeichnet.