3 Milliarden Euro für Landwirtschaft und ländliche Räume in Mecklenburg-Vorpommern – zugleich hoher Belastungsdruck

Minister Till Backhaus verweist auf Hitze, Dürre, EU- und Bundesvorgaben sowie internationale Marktverwerfungen und sieht für die Liquidität keine Entlastung.

Von Landesredaktion MV

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In Mecklenburg-Vorpommern sind nach Angaben von Agrar- und Umweltminister Dr. Till Backhaus innerhalb von fünf Jahren rund drei Milliarden Euro in die Landwirtschaft und in ländliche Räume geflossen. Zugleich wachse der Druck auf die Branche aus mehreren Richtungen. Das erklärte der Minister im Rahmen einer Landespressekonferenz zur aktuellen Lage der Landwirtschaft im Land.

Minister sieht hohe Belastungen für die Betriebe

Backhaus verwies auf die Folgen von Hitzewellen und Dürren für Ackerbau und Tierproduktion. Zusätzlich belasteten Vorgaben der Europäischen Union und des Bundes sowie internationale Marktverwerfungen durch Kriege und Krisen die landwirtschaftlichen Betriebe.

Die Ernteaussichten bezeichnete der Minister bislang als durchschnittlich. Eine Entlastung der Liquiditätssituation erwartet er dennoch nicht. Als Gründe nannte er deutlich gestiegene Kosten für Betriebsmittel, insbesondere Treibstoffe und Düngemittel, infolge der Kriege in der Ukraine und im Nahen Osten. Gleichzeitig würden weltweit gute Erträge erwartet, sodass die Erlöse nicht entsprechend anstiegen. Für Weizen würden sogar rund zehn Prozent niedrigere Preise erwartet.

Nach Darstellung des Ministers lag bereits das zuletzt ausgewertete Wirtschaftsjahr 2024 unter dem mehrjährigen Durchschnitt. Würden die aktuellen Preise zugrunde gelegt, ergäbe sich im Vergleich zu 2024 ein nochmals um etwa 300 Euro je Hektar landwirtschaftlicher Fläche niedrigeres Ergebnis beziehungsweise fast 33.000 Euro weniger je Arbeitskraft. Für Ackerbaubetriebe könnte 2026 damit das wirtschaftlich schlechteste Jahr der vergangenen zehn Jahre werden.

Auch Tierhalter unter Druck

Nicht nur im pflanzlichen Bereich seien die Erzeugerpreise aus Sicht des Ministers unzureichend. Auch der tierische Bereich sei betroffen. Backhaus verwies dabei insbesondere auf die Lage der Milch- und Schweineproduktion.

Die wirtschaftliche Situation habe sich in den vergangenen Jahren weiter verschärft. Für Ferkel würden derzeit teilweise lediglich 30 Euro je Tier erzielt. Das entspreche einem Verlust im Deckungsbeitrag von mehr als 25 Euro je Tier. Auch die Mastschweinehaltung stehe massiv unter Druck. Bei einem Erlös von rund 1,40 Euro je Kilogramm Schlachtgewicht entstehe ein Minus von mehr als 50 Euro pro Schwein.

Mit Blick auf die Schweinehaltung verwies der Minister zudem auf die Insolvenz der Geestferkel GmbH und forderte den Lebensmitteleinzelhandel auf, seiner regionalen Verantwortung gerecht zu werden.

Kritik an geplanter Agrarpolitik nach 2028

Deutlich kritisierte Backhaus die geplanten Änderungen der gemeinsamen europäischen Agrarpolitik nach 2028. Kappung und Degression lehne Mecklenburg-Vorpommern ab, da diese nach seiner Einschätzung vor allem ostdeutsche Landwirtschaftsbetriebe schwächen würden.

Für Mecklenburg-Vorpommern könne erwartet werden, dass eine Kappung ab 100.000 Euro etwa 1.000 Antragsteller betreffe. Von den derzeit gezahlten rund 314 Millionen Euro würden nach diesem Modell ab 2028 nur noch rund 151 Millionen Euro ausgezahlt. Das entspreche einem Rückgang von mehr als 160 Millionen Euro pro Jahr bei den Direktzahlungen an Landwirte.

Milliarden an Prämien und Fördermitteln

Nach Angaben des Ministers hat die Landesregierung die ländliche Entwicklung kontinuierlich im Blick behalten. Allein über Prämienzahlungen seien in den Jahren 2021 bis 2025 rund zwei Milliarden Euro nach Mecklenburg-Vorpommern geflossen.

Über das Agrarinvestitionsförderprogramm seien seit 2023 insgesamt 254 Vorhaben gefördert worden. Das förderfähige Investitionsvolumen habe rund 129 Millionen Euro betragen. Rund 28,6 Millionen Euro seien von landwirtschaftlichen Unternehmen in spezifische Maßnahmen zum Umwelt- und Klimaschutz investiert worden. Genannt wurden unter anderem Maschinen im Außenbereich, Behälterabdeckungen und Abluftanlagen.

Darüber hinaus würden laut Ministerium auch Kleinstunternehmen unterstützt, Junglandwirte gefördert sowie Forschung, Züchtung und Entwicklung gestärkt.

Biogas als wichtiger Baustein im ländlichen Raum

Ergänzend verwies Backhaus auf die Bedeutung des Energiesektors für den ländlichen Raum. Angesichts der weiter volatilen Lage im Nahen Osten sei es wichtig, unabhängiger von Energieimporten zu werden und zugleich die Wertschöpfung im eigenen Land zu sichern.

Neben Wind- und Solarkraft spiele Biogas dabei eine wichtige Rolle. In Mecklenburg-Vorpommern bestehen nach Angaben des Ministers rund 500 Biogasanlagen mit einer installierten elektrischen Leistung von etwa 270 Megawatt. Hinzu komme eine Biomethan-Einspeisung ins Erdgasnetz von rund 70 Millionen Kubikmetern pro Jahr beziehungsweise etwa 745 Gigawattstunden pro Jahr.

Für viele Bestandsanlagen ende jedoch die 20-jährige EEG-Förderung. Ein Weiterbetrieb im Stromsektor sei aus Sicht des Ministers wegen der Grundlastfähigkeit und der möglichen Nutzung von Abwärme wünschenswert. Der Bund sei deshalb gefordert, Hemmnisse für Biogasanlagen im Strombereich abzubauen und angekündigte Gesetzesänderungen, etwa das Netzanschlusspaket, in das parlamentarische Verfahren zu überführen.

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