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Umwelt

Mecklenburg-Vorpommern beschließt landesweite Klimaanpassungsstrategie

Verbindlicher Handlungsrahmen für Politik, Planung und Investitionen mit dem Ziel, Klimarisiken systematisch in Entscheidungen einzubeziehen

Von Landesredaktion MV29.07.26, 10:42

Mecklenburg-Vorpommern hat erstmals eine landesweite Klimaanpassungsstrategie beschlossen. Mit dem Kabinettsbeschluss endet nach Angaben des Landes ein einjähriger Erarbeitungsprozess. Die Strategie legt einen verbindlichen Handlungsrahmen fest, mit dem Klimarisiken künftig bei politischen Entscheidungen, Planungen und Investitionen systematisch berücksichtigt werden sollen.

Hintergrund sind die bereits spürbaren Folgen des Klimawandels in Europa und im Land. In der Mitteilung verweist das Klimaschutzministerium auf Wald- und Vegetationsbrände in Frankreich und Spanien, langanhaltende Hitzewellen, extreme Trockenheit sowie Starkregenereignisse. Auch in Mecklenburg-Vorpommern seien die Auswirkungen unmittelbar zu sehen: Fast zeitgleich hätten Starkregen und Hagel in Westmecklenburg auf rund 16.000 Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche Schäden von bis zu fünf Millionen Euro verursacht.

Klimarisiken sollen frühzeitig in Entscheidungen einfließen

Die Klimaanpassungsstrategie setzt das landeseigene Klimaverträglichkeitsgesetz um und ergänzt den Klimaschutz. Während Klimaschutz die Ursachen des Klimawandels bekämpfen soll, richtet sich die Klimaanpassung auf die bereits heute spürbaren und künftig unvermeidbaren Folgen.

Nach Angaben des Landes ist die Durchschnittstemperatur in Mecklenburg-Vorpommern seit Beginn der Messungen deutlich gestiegen, in den vergangenen Jahrzehnten mit beschleunigter Geschwindigkeit. Zugleich nähmen heiße Tage mit mehr als 30 Grad Celsius, längere Trockenphasen und Starkregenereignisse zu. Erst vor einem Monat sei in Anklam mit 39,6 Grad Celsius die bislang höchste Temperatur des Landes gemessen worden. Bis Ende Juli seien landesweit lediglich rund 300 Liter Niederschlag je Quadratmeter gefallen, das entspreche nur etwa 48 Prozent des durchschnittlichen Jahresniederschlags.

Mit der neuen Strategie soll sich nach Darstellung des Ministeriums die Art und Weise ändern, wie künftig geplant, gebaut, investiert und gefördert wird. Klimarisiken sollen bei staatlichen Entscheidungen nicht erst nachträglich bewertet, sondern von Beginn an in Planungen, Investitionen und Förderentscheidungen einbezogen werden. Die Strategie dient den Ressorts der Landesregierung, den Landesbehörden sowie öffentlichen Planungsträgern als gemeinsame Grundlage. Kommunen soll sie Orientierung für Bauleitplanung, Wasserwirtschaft, Katastrophenschutz und Gesundheitsvorsorge bieten.

20 Handlungsfelder in fünf Themenclustern

Die Klimaanpassungsstrategie umfasst 20 Handlungsfelder in fünf Themenclustern. Erarbeitet wurde sie laut Mitteilung von mehr als 60 Fachleuten aus sieben Ministerien und mindestens acht Landesbehörden. Die Umsetzung soll ressortübergreifend erfolgen. Jede Maßnahme ist einem zuständigen Ressort oder einer Landesbehörde zugeordnet. Die Fachstelle Klimawandel und Klimaanpassung beim LUNG begleitet die Umsetzung. Ein digitales Monitoring soll Fortschritte und Wirkungen künftig transparent machen.

Moore als eigenes Handlungsfeld

Als erstes Bundesland verankert Mecklenburg-Vorpommern Moore als eigenständiges Handlungsfeld der Klimaanpassung. In der Mitteilung werden Moore als Wasserspeicher beschrieben, die Starkregen puffern, den Landschaftswasserhaushalt in Trockenzeiten stabilisieren und zugleich einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz leisten.

Seit 1991 wurden demnach rund 400 Moorschutzprojekte auf knapp 35.000 Hektar umgesetzt. Darunter waren mehr als 200 Projekte auf rund 19.000 Hektar mit EU- und Landesmitteln. In der aktuellen Förderperiode stehen nach Angaben des Landes über EFRE weitere 18 Millionen Euro für Moorschutzmaßnahmen bereit. Hinzu kommen Wiedervernässungsprojekte mit ELER-Förderung sowie Vorhaben zur moorschonenden Wasserbewirtschaftung auf rund 85.000 Hektar.

Klimaschutzminister Dr. Till Backhaus erklärte, die Frage sei heute nicht mehr, ob die Folgen des Klimawandels spürbar seien, sondern wie gut das Land darauf vorbereitet sei. Ziel sei es, zu verhindern, dass aus Klimarisiken Katastrophen werden. Abschließend betonte der Minister, Klimaanpassung sei ebenso Standortpolitik wie Umweltpolitik und solle Menschen schützen, die Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft stärken, die Leistungsfähigkeit der Landwirtschaft sichern sowie Städte und Gemeinden widerstandsfähiger machen.

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